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Keine Ferien für arme Kinder?


16. Juli 2020

Armutsstudie sieht Kinder als besonders gefährdet - AWO-Weser-Ems fordert wirksame Maßnahmen

Diese Woche starten die Sommerferien in Niedersachsen. Nach den Corona-Einschränkungen ist der Wunsch nach Unbeschwertheit bei Eltern und Kindern entsprechend groß. Selbst wenn es in diesem Jahr nicht ins Ausland geht, sondern an den Strand von Schillig oder Bensersiel, stimmt schon die Aussicht auf einige entspannte Tage am Meer froh. Doch unabhängig von der Corona-Pandemie fallen für viele Kinder die Ferien in diesem Jahr aus – denn für ihre Eltern ist eine Urlaubsreise mit der Familie zu teuer.

AWO Studie zeigt, dass sich Armut verfestigt

Es lässt sich auf die bittere Formel bringen, wer in Deutschland arm ist, kann sich keinen Urlaub leisten. Als arm gelten Personen, die mit weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens auskommen müssen. Wie sich das Armutsrisiko in Kommunen der Region Weser-Ems entwickelt, zeigt jetzt eine über zwei Jahre angelegte Studie im Auftrag der AWO Weser-Ems. Unter dem Titel Armut in den Regionen Oldenburg, Emden und Norden ging der Politologe Klaus Buschder Frage nach,welche gesellschaftlichen Gruppen besonders von Armut betroffen sind.

Die AWO Studie zeigt an allen Standorten, dass vor allem ältere Menschen, Migrant*innen sowie Kinder und Alleinerziehende ein hohes Armutsrisiko aufweisen.  Die Zahlen spiegeln sich auch in den entsprechenden Daten auf niedersächsischer Ebene.

„Die Studie stützt bisherige Forschungsergebnisse, wobei für uns das hohe Armutsrisiko von Kindern und Familien mit Kindern besonders alarmierend  ist“, so Dr. Harald Groth, Vorsitzender der AWO Weser-Ems. „Vor dem Hintergrund der Corona-Krise ist hier akuter Handlungsbedarf angezeigt. Es kann nicht sein, dass weiterhin ganze Bevölkerungsgruppen in die Armut abrutschen und dort auch nicht mehr rauskommen. Ferner ist es nicht hinnehmbar, dass Kinder aus wirtschaftlich schwachen Familien stigmatisiert sowie ausgegrenzt werden und während ihrer gesamten Kindheit kaum unbeschwerte Ferien erleben können.“
Entsprechend müssten die Kommunen sich ihrer Verantwortung stellen, rasch wirksame Konzepte entwickeln und Soforthilfen bereitstellen.

Armutslücke wird größer

Dabei beunruhigt eine weitere Entwicklung die AWO Weser-Ems. So hat sich die relative Armutslücke in den letzten Jahren stetig vergrößert. Gleichzeitig profitieren vermögende Bevölkerungsschichten von wachsenden Einnahmen aus Kapital- und Immobilieneinkommen. Da diese sehr viel schneller steigen als die Gehälter, klafft die Schere zwischen Reich und Arm in Deutschland immer weiter auseinander – weiter als in den meisten anderen europäischen Ländern.

„Die Corona- Pandemie wird diese Entwicklung verschärfen. Es müssen jetzt spezifische Angebote entwickelt werden, daher fordern wir die Einführung einer Kindergrundsicherung“, so Harald Groth. „Armut in der Kindheit beeinflusst negativ die Bildungschancen, die berufliche Karriere und die lebenslange Gesundheit. Es muss jetzt gehandelt werden.“