Die Geschichte der AWO

1919 gründete Marie Juchacz als Hauptinitiatorin die Arbeiterwohlfahrt. Seither engagiert sich die AWO für Kinder und Jugendliche, für alte sowie für behinderte Menschen. Erfahren Sie mehr über die Historie der AWO und der AWO Weser-Ems in unserer Zeitleiste.

Die Geschichte der AWO
und der AWO Weser-Ems

1919

Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, in einer von politischen Unruhen, Hunger und Elend geprägten Zeit, gründet die sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Marie Juchacz die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Ihre Aufmerksamkeit gilt zunächst vornehmlich den vielen Kriegsgeschädigten - neben den oftmals versehrt heimkehrenden Männern, den Müttern und Frauen sowie vor allem den Kindern.

Im Laufe der 20er Jahre entsteht ein dichtes ehrenamtliches Netz von Ortsvereinen, Nähstuben, Suppenküchen und Erholungsheimen. Seit 1919 und bis heute sind die Grundwerte Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit der Kompass aller in der AWO.

Im Jahr ihrer bundesweiten Gründung schlägt die Arbeiterwohlfahrt auch im Nordwesten ihre Wurzeln. Im Gebiet des heutigen Bezirksverbandes Weser-Ems nimmt der Bezirksausschuss für Arbeiterwohlfahrt in Oldenburg-Ostfriesland-Osnabrück unter maßgeblicher Mithilfe von Elisabeth Frerichs seine Arbeit auf. Sitz ist zunächst Rüstringen, später dann Wilhelmshaven.

1923

In Werscherberg erwirbt der Bezirksverband ein Haus, in dem ein Kindererholungsheim eingerichtet wird. Viele Mädchen und Jungen können hier das erste Mal in ihrem Leben richtige Ferien genießen. „Ein Haus der praktischen Solidarität – von Arbeitergroschen geschaffen für Arbeiterkinder“, so formulierte es Elisabeth Frerichs. Die Einrichtung spielt auch später, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, eine große Rolle bei der Erholungsfürsorge für Kinder.

1924

Von Anfang an ist ein Herzsymbol das Erkennungszeichen des Verbandes. Die hier zu sehende in Fraktur gesetzte erste Version mit den Buchstaben A und W wird mit nur leichten Änderungen von 1924 bis 1993 verwendet – vorher war es schwarzweiß. Leider lässt sich nicht mehr nachvollziehen, von wem es beschlossen wurde oder wer es entworfen hat. Ab 1993 wird ein überarbeitetes Logo mit dem Kürzel AWO eingeführt und 2008 von der heutigen Version abgelöst.

1933

Unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird die AWO zerschlagen. Die Folgen sind verheerend: Vermögen, Einrichtungen und Heime werden beschlagnahmt, viele Aktive werden von den Nazis verfolgt und inhaftiert. So wird 1944 auch Friedrich Frerichs, Ehemann der AWO-Vorsitzenden Elisabeth Frerichs, verhaftet und ins Konzentrationslager Neuengamme gebracht. Elisabeth Frerichs gelingt es trotz aller Bemühungen nicht, etwas über sein Schicksal in Erfahrung zu bringen. Nicht wenige AWO-Aktive bezahlen ihren Einsatz für die Menschen mit ihrem Leben, anderen gelingt es, sich zu verstecken oder ins Exil zu flüchten. Viele Mitglieder der AWO arbeiten trotzdem im Verborgenen weiter und werden Teil des Widerstandes gegen das Regime.

1946

Direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nehmen die Menschen, die sich der AWO nach wie vor verbunden fühlen, ihre ehrenamtliche Arbeit wieder auf. „Es ist das Große in dem bitteren Erleben unserer Zeit, dass eine Idee nicht stirbt, dass keine Gewalt, und sei sie noch so brutal, die Idee töten kann“, sagt Marie Juchacz zum ungebrochenen Elan der Aktiven. Mit großer Entschlossenheit verteilen sie Lebensmittel, stellen Kleidung her, vermitteln Wohnunterkünfte und kümmern sich um hungernde Kinder. Marie Juchacz organisiert mit der von ihr gegründeten AWO New York die Versorgung der Menschen mit CARE-Paketen.

Am 1. August wird der Bezirk Nord-West wiederbegründet. Er umfasst die Gebiete Weser-Ems und Bremen.

1948

Am 28./29. August 1948 erfolgt die Aufgliederung des Bezirks Nord-West in zwei separate Bezirksverbände (Weser-Ems und Bremen). Der Bezirksverband Weser-Ems lässt sich am 1. Oktober 1948 zusammen mit der SPD in der Langen Straße in Oldenburg nieder. Erste Vorsitzende ist Elisabeth Frerichs.

1951

Erholungsmaßnahmen für Mütter werden noch stärker in den Mittelpunkt der Aktivitäten gerückt. Das Müttergenesungsheim Burhaversiel öffnet seine Türen. Die Traditionseinrichtung bleibt bis 2004 in Betrieb. Im Anschluss entsteht an gleicher Stelle das Familienzentrum „Haus am Deich“.

1952

Elisabeth Frerichs, die ihr Leben der Untersützung hilfsbedürftiger Menschen und der Entwicklung der AWO im Nordwesten widmete, wird für ihr Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt – als erste Frau in Oldenburg. 1959 zieht sie sich aus Altersgründen vom Vorsitz zurück, am 22. Mai 1967 stirbt sie in Oldenburg. Hier ist in der Nähe der Tonkuhle ihr zu Ehren eine Straße benannt.

1957

Die AWO Weser-Ems rückt die Interessen von Kindern mit Sprachstörungen in den Fokus. In Werscherberg bei Osnabrück entsteht die erste stationäre sprachtherapeutische Einrichtung, um betroffenen Kindern nach einer intensiven Therapie den Besuch einer Regelschule zu ermöglichen. Im Laufe der Jahre wird das Angebot immer weiter ausgebaut. Die AWO Weser-Ems im Bereich Sprachförderung bis heute bundesweite Maßstäbe.

1959

Auch im Bereich Altenpflege setzt die AWO Weser-Ems wichtige Impulse – und wird zum  Musterbeispiel. Das Haus am Schölerberg in Osnabrück und die Altenwohnanlage Aurich/Popens bieten pflegebedürftigen Menschen ein Zuhause und setzen auf moderne Konzepte; andere Wohlfahrtsverbände nehmen sich diese Einrichtungen der AWO zum Vorbild.

Innovativ zeigt sich die AWO Weser-Ems fortwährend. 1959 wird im Rahmen der offenen Altenhilfe die erste Begegnungsstätte in Delmenhorst eröffnet – die älteste ihrer Art in ganz Deutschland. Geselligkeit, Freizeitbeschäftigung, kleine Reisen oder jahreszeitliche Feiern für Senioren zählen zum Angebot. Bis zu 60 vergleichbare Einrichtungen öffnen in der Folgezeit ihre Pforten.

1963

Ihrer Zeit erneut voraus ist die AWO 1963. Schon ein Jahr vor der gesetzlichen Regelung des Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) wird jungen Menschen bis zum 26. Lebensjahr die Möglichkeit gegeben, in AWO-Einrichtungen des Bezirksverbandes oder in den Ortsverbänden ein Bildungsjahr einzulegen. Auch im Bereich des Zivildienstes schafft die AWO viele Einsatzmöglichkeiten.

1973

Innerhalb von vier Jahren eröffnet die AWO Weser-Ems vier offene Wohnheime für Menschen mit seelischen Behinderungen. Mit innovativen Ansätzen erweisen sich die Häuser in Sutthausen, Osnabrück, Merzen und Rastede auch in diesem Bereich als beispielhaft. Das bahnbrechende Konzept des Trialogs – die aktive Zusammenarbeit zwischen Menschen mit Behinderungen, ihren Angehörigen und der AWO – ist geboren.

1999

Günter Storck, Leiter der Wohnanlage Schlichthorst in Merzen, ist maßgeblich beteiligt an einem neuen Konzept für die Gruppe der Menschen mit seelischen Behinderungen. Das Schlichthorster Modell verfolgt einen personenzentrierten Ansatz und geht niedersachsenweit neue Wege in der Ermittlung von Hilfebedarfen.

2005

Die Angebote der AWO Weser-Ems werden weiter professionalisiert und in Tochterunternehmen gebündelt. In der Folge werden so unter anderem die AWO Kinder, Jugend & Familie Weser-Ems GmbH, die AWO Trialog Weser-Ems GmbH und die AWO Wohnen & Pflegen Weser-Ems GmbH gegründet.

2008

Die AWO Weser-Ems hat Grund zum Feiern: Am 15. August feiert sie ihr 60-jähriges Bestehen seit ihrer Wiedergründung nach Ende des 2. Weltkrieges. Am 13. Oktober wird die Geschäftsstelle der AWO Weser-Ems in Oldenburg in Elisabeth-Frerichs-Haus umgetauft – passend zum 125-jährigen Geburtstag einer der wichtigsten Frauen in der Geschichte der Arbeiterwohlfahrt. „Die Männer haben Kriege geführt, die Frauen die Not bewältigt“, stellte Dr. Harald Groth, seit 2003 Vorsitzender der AWO Weser-Ems, im Rahmen der Feierlichkeiten fest.

Heute

Heute ist die AWO Weser-Ems ein starker Mitgliederverband, der sich um seine Mitglieder kümmert, ein verlässlicher sozialpolitischer Interessenverband, der sich für die Belange aller Hilfesuchenden stark macht und ein Sozialunternehmen, das mit Qualität und gelebten AWO-Werten in allen Feldern sozialer Dienstleistungen überzeugt.