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Angststörungen

Professionelle Hilfe suchen

Wenn die Angst außer Kontrolle gerät, ist professionelle Hilfe angebracht – bewährt haben sich die Möglichkeiten der Verhaltenstherapie

Angst zu haben wird im alltäglichen Miteinander immer noch als charakterliche Schwäche angesehen. So vielfältig die Angst auch auftritt – das aber ist sie nicht. Doch solche Sichtweisen machen es vielen Menschen schwer, sich die eigenen Ängste einzugestehen oder gar offen darüber zu reden. Dabei leidet nahezu jede*r fünfte Bundesbürger*in an einer Angsterkrankung.  

Allerdings: So wichtig Selbstwahrnehmung und Austausch (etwa in einer Selbsthilfegruppe) sein können, eine fachliche Diagnostik ist dadurch nicht zu ersetzen. Abzuklären ist, ob bestimmte Angstreaktionen wiederholt auftreten, für die Betroffenen unkontrollierbar geworden sind und sie/ihn belasten. Dies wäre dann als Angststörung und damit als psychische Erkrankung einzuordnen.

Angstalarm oder Angststörung: Wie sich krankhafte Ängste abgrenzen und erkennen lassen

Evolutionsgeschichtlich stellt sich die Angst als ein menschliches Grundgefühl dar. Aufkommende Angst wirkt auch wie ein Alarmsignal, das einen Schutzmechanismus aktivieren und so vor Gefahr bewahren kann. „Angst ist für das Überleben unverzichtbar“, so die Sozialwissenschaftlerin Hannah Arendt. Doch diese natürliche Version, dem System Mensch quasi einprogrammiert, kann sich verselbstständigen und zur Angststörung werden. Diese tritt unabhängig von Dingen, Personen oder Situationen auf, die gemeinhin Furcht einflößen könnten. So gesehen ist eine krankhafte Angststörung ein falscher Alarm – der sich allerdings nicht so ohne Weiteres ausschalten lässt. Selbst Betroffene, die ihre Ängste rein rational als unbegründet bewerten, können sich ihnen ausgeliefert fühlen.

Bei der generalisierten Angststörung liegt überhaupt kein klar erkennbarer äußerer Anlass vor. Die Betroffenen schildern ihre angstbesetzte Stimmung häufig als ein kaum zu unterdrückendes Hintergrundrauschen. Mal kreisen ihre Gedanken um das Wohl der Kinder, mal um die Gefahr, selbst verunglücken oder erkranken zu können. Die angstbesetzten Gedanken und Gefühle können ausgesprochener diffus sein (und sind insofern von Symptomen einer Depression schwer abzugrenzen).

Andere Ängste und Phobien sind situations- oder objektbezogen. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel die Flug- oder Autofahrangst und die Agoraphobie (Angst vor großen Plätzen, Menschenmengen oder allgemein vor ungewohnten Situationen). Manche Betroffene befürchten auch, Aufmerksamkeit könne sich auf sie richten, sei es auch nur in einem Café oder bei einer Familienfeier. Allein durch die Vorstellung, dass so etwas passieren könnte, kann sich die latente Angst in einen realen Angstschub verwandeln. Im Gegensatz zur Generalisierung besteht bei diesen Formen die Möglichkeit der Vermeidung. Doch das bedeutet auch: Die Betroffenen müssen immer auf der Hut sein, leiden dadurch häufig unter Anspannung und Nervosität und opfern ein Stück ihrer Lebensqualität.

Plötzlich auftretende Angstschübe, die sich schlimmstenfalls zu einer lebensbedrohlich empfundenen Panikattacke ausformen können, brauchen wiederum keinen äußeren Anstoß. Hier kann schon allein die Angst vor einer Panikattacke eben diese hervorrufen. Sie ist zumeist mit starken körperlichen Symptomen verbunden: Das Herz rast, die Hände zittern, dazu Schwitzen, Atemnot, Schwindel und Übelkeit.

Körperliche Symptome wie Schwindel oder Herzrasen können auch bei anderen Angststörungen auftreten. Bei der generalisierten Form sind es eher Langzeitsymptome wie Schlafstörungen, innere Unruhe, erhöhte Reizbarkeit oder Konzentrationsschwächen. Schon allein um körperliche Ursachen auszuschließen, ist die umfassende Diagnostik notwendig.

Wie sich Angststörungen behandeln lassen

Ärzte und Therapeuten bevorzugen zumeist verhaltenstherapeutische Verfahren. Im Mittelpunkt stehen Strategien und Fähigkeiten, mit denen die Vermeidungshaltung zurückgedrängt, die Angst bekämpft und eine auslösende Stresssituation vorgebeugt wird. Es geht im Wesentlichen um die Stärkung der psychischen Widerstandsfähigkeit (Resilienz). Verhaltenstherapeutische Behandlungen bieten therapeutischen Praxen, Tageskliniken und auch zahlreiche stationäre Einrichtungen an. Ergänzende Möglichkeiten, wie sie auch von Selbsthilfegruppen organisiert werden, sind körperliche Entspannungs- und Atemtechniken, progressive Muskelentspannung oder auch das autogene Training.

Werden Medikamente verschrieben, handelt es sich vor allem um Beruhigungsmittel, Antidepressiva oder auch Betablocker, die an sich als Herz-Kreislauf-Medikamente bekannt sind. Wie bei jeder Medikation sollte stets mit dem behandelnden Arzt über die Notwendigkeit der Einnahme, beabsichtigte Wirkungen sowie mögliche Nebenwirkungen gesprochen werden. 

Weitere Informationen und Hilfen

Etliche Krankenhäuser und Kliniken unterhalten Angstambulanzen, wo wissenschaftliche Fachkenntnisse gebündelt vorhanden sind und für Betroffene eine Spezialsprechstunde zur Verfügung steht (z. B.  Spezialambulanz für Angsterkrankungen der Charité Berlin). Die Bundespsychotherapeutenkammer ermöglicht auf ihrer Website die Online-Suche nach einer geeigneten psychotherapeutischen Praxis.

Depression

Depressionen zählen zu den affektiven Störungen und sind eine weit verbreitete Krankheit

Die Stimmung so trübe wie das Wetter, lust- und kraftlos geht’s durch den Tag. Ist das schon eine Depression? Oder ist da nur jemand „schlecht drauf“?

Eine Depression ist eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung mit vielen Gesichtern und Erscheinungsformen. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung werden die Depressionen – zu Recht – als eine der sogenannten Volkskrankheiten bezeichnet. Schätzungen gehen von vier bis fünf Millionen Menschen aus, die in Deutschland jährlich daran erkranken. Eine eindeutig diagnostizierte Depression ist allerdings abzugrenzen von vorübergehenden Stimmungstiefs, wie sie wohl jeder Mensch kennt. Von „Verstimmungen“, die zumeist ohne professionelle Hilfe zu bewältigen sind. 

Eine Depression hingegen ist behandlungsbedürftig, Betroffene können sie selten aus eigener Kraft überwinden. Neben veranlagten Anfälligkeiten kann eine Depression sowohl durch organische als auch erlernte Verhaltensweisen ausgelöst werden. Und sie kann auch völlig autonom auftreten, als eine Krankheit, die weder auf seelische, körperliche noch andere Umstände, wie eine Gehirnstoffwechselstörung zurückzuführen ist.

Woran sich eine Depression erkennen lässt

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe nennt drei Hauptsymptome: gedrückte Stimmung, Interessen- und Freudlosigkeit, Antriebsmangel bzw. erhöhte Ermüdbarkeit. Doch das sind nur die hauptsächlichen und häufig auftretenden Krankheitszeichen. Andere sind zum Beispiel die Gefühle, wert- und nutzlos zu sein, sich in einer ausweglosen Situation zu befinden. Man geht anderen Menschen aus dem Weg, zieht sich zurück, kämpft mit der Vorstellung, aus dem Leben scheiden zu wollen. Auch physische Anzeichen können Alarmsignale sein, etwa Schlaf- oder Appetitstörungen, der plötzlich auftretende Tinnitus, Magen-, Kopf- oder Rückenschmerzen, für die sich keine organischen Ursachen finden lassen. Bei der seltener vorkommenden bipolaren Form (auch manisch-depressive Erkrankung genannt) wechseln sich typische Symptome der Depression mit manischen Phasen ab, etwa einer übertriebenen Euphorie.

Wer unter derartigen oder ähnlichen Beeinträchtigungen zu leiden hat, vielleicht sogar schon seit  mehreren Wochen, sollte einen Facharzt oder Psychotherapeuten aufsuchen.  Nur die fachliche Diagnostik lässt erkennen, ob es sich um typische Symptome einer Depression handelt. Und wenn ja: Wie schwer sie ist, welches individuelle Krankheitsbild vorliegt.

Wie eine Depression behandelt wird

Wie die meisten Krankheiten ist auch eine Depression heutzutage sehr gut behandelbar. So lässt sich durch eine adäquate Behandlung Lebensqualität zurückgewinnen. erfolgversprechende Behandlungsansätze haben sich herauskristallisiert: Pharmakotherapie mit speziellen Medikamenten (Antidepressiva) und psychotherapeutische Verfahren.

Ein Antidepressivum muss in der Regel über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Nach dem heutigen Stand der Forschung machen solche Präparate nicht abhängig und gelten bei einer mittleren oder schweren Depression als unverzichtbar. Doch sollte stets mit dem behandelnden Arzt die Einnahme der Medikamente, deren Wirkung sowie mögliche Nebenwirkungen abgeklärt werden. Das Medikament wird häufig mit einer der verschiedenen Möglichkeiten der Psychotherapie kombiniert. Außerdem können ergänzende Maßnahmen dazu beitragen, das alltägliche Leben zu ordnen und zu bewältigen, die allgemeine Lebensqualität zurückzugewinnen und zu sichern. Gerade hier bieten auch Selbsthilfegruppen Unterstützung an, etwa mit Gesprächsrunden, Sport, Tanz- und Bewegungsangeboten.

Da eine Depression auch für die Krankenkassen zu den psychischen Erkrankungen mit "Krankheitswert" gehört, übernehmen sie die gesamten Behandlungskosten. Vorausgesetzt, die Krankheit ist durch einen kassenzugelassenen Psychotherapeuten oder Arzt festgestellt werden. Außerdem müssen die Behandlungen anerkannt sein und vom jeweiligen Therapeuten bei den Krankenkassen beantragt werden. Dies gilt sowohl für ambulante Therapien als auch für die stationäre Behandlung in einer der zahlreichen Einrichtungen, die auf psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen spezialisiert sind.

Weitere Informationen und Hilfen

Im Internet informieren noch andere Websites ausführlich zum Thema (z. B. die deutsche Depressionshilfe). Dort können auch Broschüren und Filme heruntergeladen oder bestellt werden. Die Deutsche Depressionshilfe und andere bieten einen Selbsttest per Fragebogen an. Die Antworten können Ihrem Arzt oder Therapeuten erste Hinweise liefern, dessen Diagnose aber keinesfalls ersetzen. Außerdem haben Sie hier Zugang zum Projekt moodgym. Das ist ein von der AOK gefördertes kostenloses Online-Trainingsprogramm zur Vorbeugung und Verringerung von depressiven Symptomen.

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