Historie der Arbeiterwohlfahrt (AWO)

1919 – kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges, Teile der Bevölkerung in Deutschland leiden unter Hunger und Arbeitslosigkeit – gründete Marie Juchacz den sogenannten Hauptausschuss der AWO als Organisation innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Die Leitsätze der AWO 1919 waren und sind noch heute: Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Ziel war es, Not zu lindern, im Besonderen durch Hilfe zur Selbsthilfe, z. B. in Nähstuben, Werkstätten und Beratungsstellen, aber auch durch den Einsatz von Suppenküchen. Gleichzeitig setzte sich die AWO ebenfalls dafür ein, dass die Gesellschaft die Interessen der Arbeiterschaft wahrnimmt und die Wohlfahrtspflege endlich nicht mehr den Gedanken von Fürsorge und Almosen trägt, sondern als Anrecht jedes Einzelnen professionalisiert wird. Dieses führte und führt immer zu einer ständigen Wechselwirkung zwischen praktischer Hilfe und dem Kampf um eine gerechte Wohlfahrts- und Sozialpolitik.

In den folgenden Jahren wuchsen die Tätigkeiten der AWO stetig an: Kinder- und Mütterschutz, Altenhilfe, Erholungsmaßnahmen für Kinder, die ersten eigenen Häuser wurden gekauft und feste Einrichtungen gegründet. Fortbildungen für ehrenamtlich Tätige wurden durchgeführt und 1928 wurde die erste eigene Schule für Sozialarbeit eröffnet.

Sofort nach Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde die AWO zerschlagen. Das gesamte Vermögen, die Heime und Einrichtungen wurden beschlagnahmt und führende Köpfe waren der Verfolgung und Repression ausgesetzt. Nicht wenige bezahlten den Faschismus mit ihrem Leben.

1946 – ein Jahr nach der Befreiung Deutschlands von der Naziherrschaft – gründete sich die AWO wieder neu, diesmal nicht als Vereinigung innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, sondern als eigenständiger Verband. Die Probleme waren ähnlich derer, die bei der Erstgründung 1919 bestanden – Hunger, Wohnungslosigkeit, Flüchtlingselend. Die Erfahrung half den ehrenamtlichen Helfern, einen schnellen Aufbau zu bewältigen, um auf nahezu allen Gebieten der sozialen Arbeit den Bedürftigen Unterstützung zu geben.

Heute ist die AWO ein moderner sozialpolitischer Mitgliederverband, der einerseits als Anwalt die Interessen der Benachteiligten in der Gesellschaft wahrnimmt und andererseits als sozialer Dienstleister mit eigenen Einrichtungen der Altenhilfe, der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe und der Eingliederungshilfe agiert. Des Weiteren bietet die AWO Menschen eine Heimat, die politisch etwas bewegen und sich ehrenamtlich engagieren wollen oder die einfach die Gemeinschaft mit gleichgesinnten Freundinnen und Freunden suchen.