Sprache verbindet


14. September 2017

Oldenburg. Die 60-jährige Historie der Sprachheilarbeit im Nordwesten des AWO Bezirksverbandes Weser-Ems ist jetzt in einem Buch nachzulesen. Heute präsentierte Bezirksvorsitzender Dr. Harald Groth das Werk, was unter dem Titel „Sprache verbindet“ im Oldenburger Isensee Verlag erschienen ist und von dem Historiker Dr. Hansjörg Pötzsch verfasst wurde. Anwesend war auch der Hallensprecher der EWE Baskets Reinhard „Pepe“ Nast, der die Wichtigkeit der Sprachheilarbeit, die die AWO leistet, betonte: „Sprache ist mein Beruf und als Hallensprecher der EWE Baskets weiß ich, wie Sprache Menschen begeistern und mitreißen kann. Die Sprachheilarbeit unterstützt Menschen dabei, sich wieder oder überhaupt mittels Sprache zu verständigen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen“.

Noch in den 50er Jahren mussten Kinder ungeachtet ihrer geistigen Entwicklung auf eine Sonderschule gehen, wenn sie stotterten oder eine andere Sprachbeeinträchtigung hatten. Mitte der 50er Jahre machte sich jedoch das Land Niedersachsen auf den Weg, diesen Missstand zu beenden und ebnete den Weg für eine zielgerichtete Sprachheilarbeit. Das erste große sichtbare Zeichen dieser Bemühungen war die 1957 die Eröffnung der ersten stationären AWO Sprachheileinrichtung in Bissendorf-Werscherberg im Landkreis Osnabrück, übrigens auch die erste Einrichtung dieser Art in ganz Deutschland. Vom Werscherberg aus startete dann die Erfolgsgeschichte der niedersächsischen und damit auch AWO Sprachheilarbeit. In Werscherberg wurden erstmalig im deutschsprachigen Raum auch Sprachtherapeuten ausgebildet.

Im weiteren Verlauf der Sprachheilgeschichte in Niedersachsen und auch im Nordwesten setzte sich zunehmend eine Ambulantisierung durch mit der Eröffnung von Sprachheilkindergärten wie auch in Oldenburg. Hier können Kinder nun in der Nähe ihres Wohnortes ihre Sprachbeeinträchtigungen überwinden. Die Ausbildung von Logopäden wird heute an der Berufsfachschule für Logopädie vorgenommen.

„Sprachheilarbeit steht und fällt mit der Unterstützung durch die öffentliche Hand, sprich das Land Niedersachsen und die Kommunen. Niedersachsen ist hier Vorreiter“, bekräftigte Dr. Harald Groth und bedankte sich bei den anwesenden Vertretern des Sozialministeriums und der Stadtverwaltung. Abschließend mahnte der Bezirksvorsitzende für die Zukunft an, dass es immer auf die individuellen Bedürfnisse von sprachbeeinträchtigten Kindern und Jugendlichen zugeschnittene Konzepte geben müsse und kein Inklusions-Dogmatismus. Ziel müsse dabei sein, die gleichberechtigte Teilhabe der Betroffenen für ihr weiteres schulisches und berufliches Leben zu erreichen.