Politiker zu Besuch in AWO Berufsfachschule für Logopädie


29. Oktober 2015

Bedarf an Logopäden stetig wachsend/Schulgeld erschwert Zugang/Förderung durch Arbeitsagenturen sinnvoll

Oldenburg. Der Bedarf an Logopäden ist in Deutschland unverändert hoch und steigt weiter an. Beispielsweise stellte sich bei den diesjährigen Einschulungsuntersuchungen in Niedersachsen heraus, dass jedes fünfte Kind einen logopädischen Behandlungsbedarf hat. Schon jetzt können nicht alle offenen Stellen in Logopädiepraxen, in Sprachheil- oder in Rehabilitationseinrichtungen besetzt werden. Um zukünftig gut ausgebildete Logopäden in ausreichender Anzahl zu haben, sind Veränderungen im Bereich der Ausbildung vonnöten. Das war die zentrale Botschaft, die der Bundestagsabgeordnete Dennis Rohde und der Landtagsabgeordnete UIf Prange von ihrem Besuch der AWO Berufsfachschule für Logopädie mitnahmen.

AWO Bezirksvorsitzender Dr. Harald Groth erläuterte den beiden SPD-Politikern, dass das Bundesgesetz zur Ausbildung für Logopäden stark auf die Berufsfachschulen fixiert ist. Die Berufsfachschulen gewährleisten eine qualitativ hochwertige Ausbildung. Wenn sie nicht an Kliniken angegliedert sind, müssen die Schülerinnen und Schüler meist aber ein Schulgeld bezahlen. „Das ist nicht mehr hinnehmbar und sortiert die interessierten jungen Menschen nach dem Geldbeutel ihrer Eltern“, so Henriette Rother, Leiterin der Berufsfachschule des AWO Bezirksverbandes Weser-Ems. „Hier ist das Land Niedersachsen gefragt, was analog zu den Altenpflegeschulen das Schulgeld über Landesmittel finanzieren könnte“, betonte Dr. Harald Groth. Verbandsgeschäftsführer Thomas Elsner ergänzte: „Es wird zunehmend schwieriger für unsere Sprachheileinrichtungen gut ausgebildete Logopäden zu bekommen. Wir brauchen dringend Nachwuchs“. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ausbildung nicht durch die Arbeitsagenturen gefördert wird. „Hier sollte im Bundesarbeitsministerium darüber nachgedacht werden, das zu ändern und die dreijährige berufsfachschulische Ausbildung über den gesamten Zeitraum förderfähig werden zu lassen“, regte Dr. Harald Groth in Richtung MdB Dennis Rohde an. Des Weiteren fordert die AWO, an den umliegenden Fachhochschulen eine akademische Ausbildung zu installieren. Die Berufsfachschule und die angegliederte Sprachheilzentrum bieten hier eine enge Kooperation an.

Die Berufsfachschule für Logopädie des AWO Bezirksverbandes Weser-Ems besteht am Standort Klingenbergstraße in Oldenburg seit 1978, zusammen mit dem Sprachheilzentrum. Seit 1998 ist die Schule zertifiziert. 1957 eröffnete die AWO Weser-Ems die erste stationäre sprachtherapeutische Einrichtung der Bundesrepublik im Landkreis Osnabrück - viele Sprachheilkindergärten und -zentren im Raum Weser-Ems folgten, so auch der Sprachheilkindergarten in der Nadorster Straße in Oldenburg.

Bildinformation
stehend von links: MdL Ulf Prange, Schulleiterin Henriette Rother, MdB Dennis Rohde, AWO Verbandsgeschäftsführer Thomas Elsner, AWO Bezirksvorsitzender Dr. Harald Groth
sitzend: Schülerinnen und Schüler der AWO Berufsfachschule für Logopädie