Pflege: AWO geht neue Wege in der sozialen Betreuung


22. Juli 2016
Altenwohnzentren in Schortens, Jever, Emden und Norden sind Piloteinrichtungen / Neue Angebote nach Befragung der Bewohner entstanden
Der Film „Sein letztes Rennen“ mit Dieter Hallervorden in der Hauptrolle zeigt ein düsteres Bild über die Betreuung von Bewohnerinnen und Bewohnern in einem Pflegeheim. Wenig ansprechende, zum Teil kindische Beschäftigungsangebote prägen in dem Film den Alltag. Der Herausforderung für eine sinnvolle und attraktive Freizeitgestaltung hat sich die AWO Weser-Ems gestellt und die Betreuung in ihren Altenpflegeeinrichtungen neu aufgestellt. Neben der Einstellung von Ergotherapeuten in jeder Einrichtung wurde eine leitende Fachkraft hinzugezogen, die sich konzeptionell mit der Thematik auseinandersetzt. „Wir haben zunächst in den Piloteinrichtungen Schortens, Jever, Emden und Norden eine Befragung durchgeführt, um die individuellen Bedürfnisse besser berücksichtigen zu können“, erläutert Anja Härtel, Leiterin der Ergotherapie für alle Altenpflegeeinrichtungen der AWO Weser-Ems.
 
Ein Ergebnis der Befragungen war, dass Angebote der sozialen Betreuung auch in den späteren Nachmittags- oder frühen Abendstunden gewünscht werden. Daraus entstanden sind Dämmerschoppen, Skatabende oder kleine abendliche Gesprächsrunden. Des Weiteren möchten die Bewohner mehr außerhäusige Aktivitäten. Somit werden mehr Ausflüge in die nähere Umgebung geplant. In der Nähe liegende AWO Einrichtungen werden dann für den Pausenkaffee genutzt. Männliche Bewohner wünschen sich wiederum mehr handwerklich geprägte Angebote. Dies erfolgt zunächst in der Verarbeitung von Holz, zum Beispiel zur Gestaltung von Hochbeeten, die dann von pflanzenbegeisterten Bewohnerinnen und Bewohnern genutzt werden. In Planung sind auch Projektgruppen für die Erstellung von Kochbüchern oder Realisierung von eigenen Ausstellungen.
 
Für an Demenz erkrankte Pflegebedürftige werden ebenfalls individuelle Angebote entwickelt. Angeknüpft wird dabei an die verbliebenen Fähigkeiten, die diese Menschen über Jahrzehnte hinweg ausgeübt haben. Bei den Frauen ist das insbesondere das Kochen. So wird in der Kochgruppe fleißig Kartoffeln geschält und zu Bratkartoffeln verarbeitet. Der Duft zieht dann andere Bewohnerinnen zum Essen an. „Alle Sinne einbeziehen und die Menschen mit ihren verbliebenen Fähigkeiten wahrnehmen und nicht die Defizite in den Mittelpunkt stellen, steht hier im Fokus der sozialen Betreuung“, betont Anja Härtel.
 
Um diesen gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, können alle Betreuungskräfte der AWO Weser-Ems mehr Fortbildungen nutzen als gesetzlich vorgeschrieben. „Lediglich 16 Stunden Fortbildung im Jahr sind für die Betreuungskräfte vom Gesetzgeber gefordert. Das ist uns zu wenig. Inhalte zusätzlicher Fortbildungen sind beispielsweise Sturzvorbeugung, Biografiearbeit oder Gestaltung von Einzelbetreuungen, aber auch der Austausch und die Entwicklung von Ideen werden im Kollegenkreis dadurch gestärkt. „Unser erstes Resümee ist, dass sich die Veränderungen nicht nur für die Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch für die Mitarbeitenden positiv auswirken“, so Anja Härtel.
 
Bilder: AWO