Grundsteinlegung für neue AWO Altenwohnanlage


19. Mai 2017

Blindenverband lobt Gestaltungsplanung / AWO regt Tempo 30 an

 

Bad Zwischenahn/Rostrup. Vor knapp einem Jahr war die Bauschildaufstellung das erste sichtbare Zeichen für den Bau einer neuen AWO Altenwohnanlage in Rostrup. Bevor es dann richtig losging, mussten erst die Altenwohnungen auf dem Grundstück abgerissen werden. Mit der Grundsteinlegung für den ersten Bauabschnitt des gesamten Komplexes wird nun das zweite sichtbare Zeichen gesetzt. Zwischenzeitlich bewegten die Baufirmen nach dem Abriss der Altenwohnungen 12.000 Kubikmeter Boden, errichteten den Keller und gossen die Bodenplatte. Die Konturen der neuen Altenwohnanlage sind bereits erkennbar. Unüblich für einen Neubau einer Pflegeeinrichtung ist der hohe Energieeffizienzstandard KFW 55. „Nachhaltigkeit beim Bauen ist für uns als AWO ein großes Thema“, so betont der stellvertretende AWO Bezirksvorsitzende Dr. Lothar Knippert.

 

Das Gebäude wird für die Bereiche motorische (Geh-) Behinderungen, sensorische Beeinträchtigungen (sehbehinderte und Hörgeschädigte) und kognitive Einschränkungen (Demenzerkrankte) barrierearm sein. Unterfahrbare Waschbecken, Farbkonzepte mit Kontrasten, Handlaufinformationen, ein Lichtkonzept und das Bodenleitsystem sind nur einige Stichpunkte dafür. Dem AWO Bezirksverband wurde bereits vom Blindenverband ein großes Lob für die räumliche Gestaltungsplanung als auch das Leitsystem für Sehbehinderte ausgesprochen. Dieses sei landesweit nicht selbstverständlich, so der Blindenverband. Im Akustikbereich werden Schallschutzelemente und Lichtsignale berücksichtigt. Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen sind Piktogramme (Beschilderungen) und interessant gestaltete Laufwege wie beispielsweise ein Balkonrundgang im 1. Obergeschoss im Innenhof geplant.

 

Die Fertigstellung der neuen Altenwohnanlage ist für den November 2018 vorgesehen. Dann wird es 100 Plätze - in zehn Doppelzimmern und 80 Einzelzimmern - in fünf Wohngruppen mit jeweils einem Aufenthaltsraum und Küche  - geben. Konzeptionell organisiert die AWO Weser-Ems die Pflege und Betreuung in interdisziplinären Teams. Ziel dieser Konzeption ist es, den Bewohner so lange wie möglich am aktiven Leben zu beteiligen, Fähigkeiten zu stärken und Beeinträchtigungen zu minimieren. Das Wohngruppenmodell trägt dazu bei, genau wie auch die Pflege und Betreuung in interdisziplinären Teams.

 

Im zweiten Bauabschnitt ist die Umnutzung der jetzigen Altenwohnanlage geplant. Hier werden rund 25 bezahlbare seniorengerechte Wohnungen entstehen. Ob es günstiger ist, die vorhandene Substanz zu sanieren oder letztlich auch hier einen Neubau vorzunehmen, wird derzeit geprüft. Klar ist: Im Frühjahr 2020 werden die Wohnungen bezugsfertig sein. Eine Tagespflege soll ihren Platz in der Mitte des Gesamtgeländes finden. Leider gelang es nicht, wie ursprünglich geplant, in 2017 eine Interimslösung in der Nähe des Gesamtkomplexes zu finden. Daher soll der Bau einer Tagespflege und Sozialstation möglichst vorgezogen werden, damit relativ zeitnah hier die ambulante Betreuung starten kann.

 

Parallel zum Zweiten Bauabschnitt wird auch am Dritten Teil gearbeitet. Östlich vom Pflegeheim in Richtung Zwischenahner Meer werden ein oder zwei Gebäude für betreutes Wohnen mit voraussichtlich ebenfalls 25 Wohnungen entstehen.

 

Nach jetzigem Stand werden im Laufe des Jahres 2020 die Bautätigkeiten auf dem gesamten Areal fertig sein. Pünktlich zum 50. Geburtstag des Standortes erstrahlt dann alles im neuen Glanze. Die Gesamtinvestitionen werden rund 17 Millionen Euro betragen.

 

„Das Vorhaben ist auch ein klares Bekenntnis zum AWO Standort in Rostrup und zur Gemeinde Bad Zwischenahn“, bekräftigt Dr. Lothar Knippert und bedankt sich zusammen mit Hauptgeschäftsführer Thomas Elsner bei der Gemeinde und dem Landkreis Ammerland für die gute Zusammenarbeit sowie bei den Nachbarn, Bewohnern und Mitarbeitern, die mit Geduld den Baulärm und andere Widrigkeiten ertragen.

 

Ein Wunsch wurde seitens des Bauherren AWO noch an die Gemeinde herangetragen: Tempo 30 im Bereich des  Altenwohnanlage, eine geteilt gesicherte Querung an der Ampel mit Akustiksignal und definierter Bordsteinhöhe, ein Bodenleitsystem von der Bushaltestelle bis zum Eingangsbereich des Altenwohnzentrums und eine deutliche farbliche Trennung von Fuß- und Radweg an den beiden Straßen.

 

Zur Historie

Die Altenwohnanlage Rostrup wurde am 06.12.1970 als eine Modelleinrichtung für die Kombination stationäre Pflege und 27 angeschlossenen Altenwohnungen in Anwesenheit von Lotte Lemke (damalige AWO Bundesvorsitzende), Hans Richter (damaliger AWO Bezirksvorsitzender) und Kurt Partzsch (damaliger niedersächsischer Sozialminister) sowie dem damaligen Bürgermeister von Bad Zwischenahn, Dietrich Osmers, eröffnet.

 

1984 übernahm Doris Soth übernimmt die Einrichtungsleitung von Jutta Joop. Im Jahr 2000 wurde ein dritter Wohnbereich am Weberweg errichtet. Im Jahr 2001 wurde ein "Beschützender Wohnbereich" für dementiell erkrankte Bewohner*innen in der ehemaligen Pflegestation eröffnet. Aktuell besteht die Altenwohnanlage aus drei Wohnbereichen für 94 Bewohnerinnen und Bewohner in allen Pflegestufen, davon 29 Plätze im "Beschützenden Wohnbereich". Die bisherigen 27 Altenwohnungen sind dem Neubau gewichen.