Fünf Jahre AWO Ambulant betreutes Wohnen - Tag der offenen Tür


12. Oktober 2018

Fünf Jahre Ambulant betreutes Wohnen

Seit fünf Jahren bietet die AWO Weser-Ems mit ihrer Gesellschaft Trialog innovative ambulante Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen an. Anlässlich dieses Jubiläums lädt das Team des Ambulant betreuten Wohnens am Freitag 19.10.2018 zu einem Tag der offenen Tür in die Wallstraße 11 in Oldenburg ein. Interessent*innen haben ab 11:00 Uhr Gelegenheit, mehr über die Angebote der AWO im Bereich Ambulantes betreutes Wohnen zu erfahren und kostenfrei an einem Fachvortrag zu Angst und Zwangsstörungen von Dr. Arne Wolter, Psychologischer Psychotherapeut, teilzunehmen. 

Wie das Team des Ambulant betreuten Wohnens arbeitet, warum die Teilhabe ein Kernanliegen der AWO ist und wie Nutzer*innen das Angebot des Ambulant betreuten Wohnens bewerten, zeigt das folgende Interview. 

 

Wie ist der Kontakt zum Ambulant Betreuten Wohnen entstanden?

Mein gesetzlicher Betreuer hat gemerkt, dass ich zu Hause immer weniger alleine klar komme. Ich habe mich kaum noch nach draußen getraut, bin nur einkaufen gegangen wenn wenig los war. In der Zeit habe ich es auch nicht geschafft regelmäßig zum Arzt zu gehen, meine Freunde zu treffen, meine Wohnung in Ordnung zu halten. Mein Betreuer hat dann einen Antrag mit mir beim Sozialamt auf Ambulant Betreutes Wohnen gestellt und den Kontakt zur AWO hergestellt. Die Leiterin Frau Saathoff hat mich dann zu Hause besucht und mir ihre Arbeit vorgestellt. Jetzt werde ich schon fast 2 Jahre durch die AWO betreut und viele Dinge haben sich schon verbessert oder sind erträglicher geworden. Man könnte sagen das wir die Dinge die schlecht oder so gut wie gar nicht gelaufen sind nun gemeinsam angepackt werden, dass macht mir Mut.

Was versprechen Sie sich von der Unterstützung durch das ABW?

Für mich ist es ganz wichtig eine feste Ansprechpartnerin zu haben. Wir reden über viele vertrauliche Dinge, dazu gehört für mich ein großes Vertrauen. Anfangs hatte ich kaum Erwartungen aber inzwischen ist es so das ich mir wünsche wieder zu arbeiten. Vielleich schaffe ich es ja auch irgendwann wieder ohne Medikamente, aber das kann nur ganz langsam und mit enger Begleitung von meinem Arzt und mit meiner Bezugsbetreuerin geschehen. Ansonsten erwarte ich, dass es für mich so gut weiter läuft und das ich dabei unterstützt werden.

Gibt es Kritik/ Anregungen an der Form der Unterstützung?

Kritik an sich habe ich nicht. In letzter Zeit musste ich einige Wechsel in der Bezugsbetreuung hinnehmen. Das fühlt sich dann anfangs an wie nochmal von vorne anfangen. Nun habe ich aber wieder Vertrauen aufgebaut und hoffe, dass ich nicht wieder bald wechseln muss. Zudem sind die Stunden die ich bewilligt bekommen habe oft zu wenig. Ich fände es gut wenn wir auch mal Pausen in der Zusammenarbeit machen könnten und wenn es mir schlecht geht mehr Zeit für mich da wäre. Ich glaube das geht aber nicht wegen der Planung und der Kostenzusage die ich vom Sozialamt habe.

 

Fragen an die Bereichsleiterin

Was sind die Auslöser für die Inanspruchnahme der Hilfe?

Wir betreuen Menschen in der Eingliederungshilfe um ihnen bei der Teilhabe (gemeinschaftlichen Leben) zu unterstützen. Als Grundlage wären da eine psychische Erkrankung und ein eigener Hilfebedarf zu sehen, der sehr individuell sein kann. Oft kommen Menschen zu uns deren Lebensqualität, Stabilität und Teilhabe aufgrund der Erkrankung ein geringes Maß angenommen haben.

Wie ist die „Betreuungsstrategie“?

Die Betreuungsstrategie ist im häuslichen Umfeld und Nahraum der Menschen gemeinsam deren (wichtig, nicht unsere) Ziele zu bearbeiten. In der sozialen Arbeit spricht man auch immer davon, dass Ziel unserer Arbeit sei irgendwann als Unterstützer nicht mehr gebraucht zu werden. Das ist auch der feine Unterschied in der sozialen Arbeit, wir nehmen den Menschen nichts ab sondern unterstützen sie dabei es selbst zu tun. Als Grundlage dienen uns da unsere guten Aus- und Fortbildungen. Es gibt viele professionelle Ansätze in der sozialen Teilhabe wie das Empowerment (Ermächtigung/ Übertragung von Verantwortung) und das Recovery (Sichtweisen verändern auf Stärken und Chancen) um nur zwei zu nennen. Um die aufgestellten Ziele des Hilfeplangespräches (beteiligt: Klient*in, Kostenträger, Anbieter), regelmäßig zu überprüfen haben wir im Qualitätsmanagement einen Zielerreichungsmanagement eingeführt und sprechen in regelmäßigen Abständen über die nächsten Schritte oder Meilensteine in der Bezugsbetreuung.

 

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Die Frage ist in der sozialen Arbeit nicht so einfach zu beantworten, da Menschen sehr individuell sind. Wir stellen nichts her und es kommt dann ein fertiges Produkt heraus. Wir orientieren uns am individuellen Hilfebedarf des Menschen. Da jeder Mensch bei uns unterschiedliche Ziele hat kann ich daher nur Beispiele nennen. Es gibt Klienten, da ist das finden von Arbeit ein Ziel oder einer täglichen Tagesstruktur nachzugehen wie zum Beispiel der regelmäßige Besuch einer Tagestätte oder WfbM. Bei anderen Klienten ist es schon ein Meilenstein wenn sie uns die Tür öffnen, ihre Wohnung selbständig säubern, mit uns zum Facharzt gehen oder sich auf einen begleiteten sozialen Kontakt einlassen. Auch gibt es Klienten bei denen ist ein Jahr ohne psychosomatischen Klinikaufenthalt ein großer Erfolg. Gesamt würde ich somit sagen sind die Erfolgsaussichten sehr gut, bloß sind es auch die kleinen Schritte oder auch Schritte vor und zurück oder einfach nur die Vermeidung von einer Verschlimmerung für alle Beteiligten als Erfolg zu sehen. Die Abwesenheit von Krankheit ist somit nicht das Ziel sondern der gemeinsame Umgang damit.

 

Kontaktdaten:

AWO Trialog Weser-Ems GmbH

Kerstin Saathoff

Ambulant Betreutes Wohnen für die Stadt Oldenburg und den Landkreis Ammerland

Wallstraße 11. 2122 Oldenburg

0441-95722420

 

Veranstaltungshinweis Woche der seelischen Gesundheit 2018 unter Beteiligung des AWO Bezirksverbandes

https://www.gesundheit-nds.de/images/pdfs/Aktionstage-fuer-seelische-Gesundheit_2018.pdf