AWO lehnt Zwei-Klassen-System in der Jugendhilfe ab


01. November 2016

Oldenburg. Die AWO lehnt es strikt ab, die Standards in der Jugendhilfe für die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu senken. Das Bundesland Bayern hat für junge Geflüchtete das sogenannte „Jugendwohnen“ auf die Agenda der heute und morgen tagenden Ministerpräsidentenkonferenz gehoben. Der Vorsitzende des AWO Bezirksverbandes Weser-Ems Dr. Harald Groth dazu: „Mit dem Jugendwohnen würde die Fachkraftquote deutlich abgesenkt – eine zukunftsorientierte Betreuung und Integration könnte nicht mehr gewährleistet werden, lediglich würden Kosten für die Kommunen eingespart“. Ferner wird seitens des Bundeslandes Bayern eine generelle Kappung der Jugendhilfeleistungen ab Volljährigkeit eines unbegleiteten Geflüchteten angestrebt. „Das würde nur erste Integrationserfolge zunichte machen und die Folgekosten in die Höhe treiben. Abgesehen davon ist ein fürchterliches Signal an die jungen vor Krieg geflohenen Menschen, wenn man ihnen signalisiert, dass sie weniger wert sind als hier schon lange lebende Jugendliche“, so Dr. Harald Groth, Vorsitzender des AWO Bezirksverbandes Weser-Ems. Die Absenkung des Jugendhilfestandards für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge stellt nach Ansicht der AWO auch ein Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention dar. Der Vorschlag aus Bayern stehe dem Grundsatz der bedarfsgerechten und individuellen Förderung und Erziehung eines jeden jungen Menschen entgegen.

„Der Vorstoß ist geleitet von der Fehlannahme, dass minderjährige Flüchtlinge, die unbegleitet nach Deutschland gekommen sind, per se selbstständiger und eigenverantwortlicher seien als andere Kinder und Jugendliche“, so Dr. Harald Groth. Die Praxiserfahrung habe hingegen gezeigt, dass oft das Gegenteil der Fall ist, zumal die alltägliche Integration erhebliche Herausforderungen mit sich bringt. Im Übrigen seien Bestrebungen, die Jugendhilfeleistungen ab Volljährigkeit zu kappen nicht nur volkswirtschaftlich kurzsichtig – die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass in der Jugendhilfe das Ziel der Verselbstständigung selten mit dem 18. Geburtstag erreicht wird.

Die AWO steht mit ihrer Ablehnung des Vorschlages aus Bayern nicht alleine. Anlässlich der heute und morgen tagenden Ministerpräsidentenkonferenz ist sie Mitunterzeichner eines Appells unter anderem der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

Der Appell ist abrufbar unter www.awo-informationsservice.org