AWO: Familiennachzug für Geflüchtete muss geregelt werden


24. September 2018

Die AWO-Migrationsberatung (MBE) in Oldenburg fordert anlässlich des bundesweiten MBE-Aktionstages einen geregelten Familiennachzug für Geflüchtete. Die AWO Weser-Ems erinnert am heutigen Tag der Migrationsberatung an die Situation der hiesigen Geflüchteten und ihrer Familien.

„In den letzten Jahren spielte der Familiennachzug in der Beratungstätigkeit eine wichtige Rolle“, so die Beraterin Roma Schrell. „Hierbei wurden unsere Ratsuchenden vor eine Vielzahl von Problemen gestellt. Viele Probleme ergaben sich durch das Handeln der deutschen Botschaften. Zum Teil wurden Dokumente verlangt, die die Ratsuchenden nicht beschaffen konnten.“

Ein Beispiel:

Die deutschen Botschaften in Kenia, Äthiopien und im Sudan verlangen zum Beispiel von vielen eritreischen Staatsangehörigen eine sogenannte Nachregistrierung der Ehe. Gemäß dem eritreischen Civil Code, der im Mai 2015 in Kraft getreten ist, sind religiöse Eheschließungen in das staatliche Eheregister einzutragen. Oft erfahren Eritreer*innen erst im Rahmen des Verfahrens zum Familiennachzug, dass dies überhaupt notwendig ist. Eine nachträgliche Registrierung der Ehe ist von Deutschland oder den Anrainerstaaten Eritreas aus, nicht möglich bzw. unzumutbar, da die eritreischen Behörden eine persönliche Vorsprache der Eheleute verlangen. Um das Dokument auf einem legalen Weg zu bekommen, müssten die Geflohenen also eine Reise in den Verfolgerstaat antreten. Die Bundesrepublik Deutschland – also das Land, dass den Menschen Schutz gewährt hat – verlangt dies und führt den Schutz dadurch ad absurdum. Das Dokument ist durch die deutschen Botschaften im Visaverfahren festgeschrieben – ohne einen legalen Weg aufzuzeigen, wie man die Papiere beschaffen soll.

„Wir werden insbesondere die Bundestagsabgeordneten hier in der Region über diesen Missstand informieren“ stellen Roma Schrell und Martin Göske klar.

In der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) der AWO Weser-Ems  werden Unionsbürger*innen, Geflüchtete und andere Drittstaatsangehörige ab 27 Jahren beraten. Die MBE wird aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern gefördert. Ratsuchende werden in verschiedenen Angelegenheiten wie Zugang zum Arbeitsmarkt, Wohnungssuche, Behördengänge und bei der Vermittlung von Sprachkursen unterstützt. „Nicht selten sind diese Themenschwerpunkte miteinander verwoben und es gilt, unsere Ratsuchenden durch die Beratung zu befähigen, sich mittel- oder langfristig eigenständig in der deutschen Gesellschaft zu Recht zu finden“, sagt Herr Göske.