AWO Bezirksverband feiert Jubiläum


27. September 2018

AWO Bezirksverband feiert Jubiläum

Oldenburg. Die AWO sei sich immer treu geblieben. Mit diesen Worten begrüßte Dr. Harald Groth, der Vorsitzende des Bezirksverbands Weser-Ems, rund 170 geladene Gäste zum Festakt im Landesmuseum für Natur und Mensch, Oldenburg. „Die Werte, die in den Gründungstagen 1919 wichtig waren, haben für uns bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren.“ Sie seien auch die treibende Kraft für die Menschen gewesen, die den während der Nazi-Diktatur verbotenen Verband Ende der 1940er Jahre wiedergründeten. Und gerade weil er „eine Besorgnis erregende Renaissance von rechten Umtrieben“ sieht, versprach Dr. Groth: „Wir lassen uns nicht unterkriegen, sondern werden da sein, wenn man uns braucht.“

 

Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler überbrachte zum Jubiläum die Glückwünsche der Stadt Oldenburg. Sie lobte insbesondere das ehrenamtliche Engagement, das dazu beitrage, den sozialen Zusammenhalt in der Stadt zu sichern. Heiger Scholz, Staatssekretär am Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, bedankte sich bei der AWO und allen anderen Wohlfahrtsverbänden für ihr Engagement: „Sie ist ungemein wichtig, denn der Staat kann nicht alles leisten und überall einspringen.“ Er empfahl für die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen, „immer zuerst das zu sehen, was sie können – und nicht das, was sie nicht können“.

 

Diesen Ball nahm Wilhelm Schmidt, Vorsitzender des Präsidiums des Bundesverbands der Arbeiterwohlfahrt gern auf. Die AWO-Aktiven in der Region Weser-Ems hätten genau das so gut gemacht, dass ihre Arbeit bundesweit als vorbildlich gelte. „Daran können sich andere ein Beispiel nehmen“, unterstrich er. Zudem kündigte Schmidt eine Überarbeitung des Grundsatzprogramms an, bekräftigte aber zugleich, dass der demokratische Sozialismus „selbstverständlich“ das Ziel des Verbands bleibe. Wie alle anderen Redner wandte er sich vehement gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft: „Wer sich zur AfD bekennt, hat in der AWO nichts verloren.“

Höhepunkt der Feier war ein Gespräch, das Moderatorin Sabine Schicke mit Erna de Vries führte. Sie war 1943 freiwillig mit ihrer Mutter ins KZ Auschwitz gegangen. Bevor diese in die Gaskammer gebracht wurde, führte sie ein letztes Gespräch mit ihrer Tochter. Erna de Vries, die noch immer in Schulen über die Gräueltaten der Nazis spricht, erinnert sich bis heute an jedes einzelne Wort: „Du musst dafür sorgen, dass die Menschen erfahren, was hier mit uns gemacht wird. Erzähle es überall.“ Die heute 94-Jährige fügte hinzu: „Das tue ich so lange ich kann!“ Die Gäste des Festakts dankten es ihr mit minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen. 
Zum Ende der Veranstaltung betonte Dr. Harald Groth, der AWO gehe es in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung neben Haltung auch um Aktion. Als Beispiel stellte er den erstmals ausgeschriebenen „Engagement-Preis“ vor, mit dem man sich „gegen das Vergessen“ wende. Geehrt wurden Initiativen, die sich gegen das Vergessen der NS-Diktatur mit ihren Gräueln engagieren. So die Initiative „Spurensuche Osnabrück“. Sie hat eine Gedenkstätte für verstorbene Kinder von Zwangsarbeiterinnen eingerichtet. Ebenso der Arbeitskreis Gröschler-Haus aus Jever, der an das Leben der jüdischen Gemeinde in der Marienstadt erinnert. Ebenfalls besonders geehrt wurde der Arbeitskreis Erinnerungsgang in Oldenburg. Seine Initiatoren erinnern in jedem Jahr am 10. November daran, dass 1938 rund 40 jüdische Männer von SA-Schergen durch die Innenstadt getrieben wurden. Einen Tag später wurden sie ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. „Das alles sind würdige Preisträgerinnen und Preisträger, die dazu beitragen, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät“, fasste Dr. Groth zum Abschluss zusammen.

 

Weitere Informationen:

 

Thore Wintermann

 

AWO Bezirksverband Weser-Ems e. V.

Klingenbergstraße 73, 26133 Oldenburg

Telefon: 04 41/4801 – 254; Telefax: 04 41/48 01 – 1 88; 

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